Der Wind

Ich befinde mich wieder mal auf der Autobahn. Irgendwo habe ich eine kleine Abzweigung verpasst und das Pipsen dee Naviuhr nicht bemerkt und schon ist es die Interstate 70. Aber die ist sehr angenehm zum fahren. Wenig Verkehr, einen breiten und sauberen Pannenstreifen und ein Strassenbelag fein wie Seide. Nach 25 km komme ich wieder auf eine Nebenstrasse. Zwischendurch fehlt der Teerbelag und es ist eine staubige Piste. Ich sehe einen Lastwagen der eine riesige Staubwolke hinter sich her zieht auf mich zukommen. Ich bereite mich vor und verstecke die Nase im Ellbogen. Doch der Lastwagen bremst weit vor mir ab und fährt im Schritttempo an mir vorbei und noch ein gutes Stück weiter bis er wieder beschleunigt. Und da muss ich wieder mal, zur speziellen Freude von Cornelia, den amerikanischen Autofahrern ein Kränzchen winden. Ich hab das ja schon auf der Route 66 bemerkt wie rücksichtsvoll die Autos gegenüber den Radfahrern sind. Und es fällt mir wieder auf. Auch diesmal, in Kalifornien sind die Autofahrer fast so schlecht wie in Europa aber je mehr ich mich der Westküste entferne desto angenehmer sind sie.
Irgendwo verlasse ich Utha und bin nun in Colorado. Beschriftet ist nichts aber hier darf ich wieder einen Joint rauchen. Dürfen, zum Glück nicht müssen.
Grand Junction ist die erste grössere Stadt seit Sacramento, aber ich verpasse sie. Der Veloweg ist so schön und der Rückenwind treibt mich so rassig voran, dass ich es erst realisiere als ich schon am Zentrum vorbei bin. Aber das macht gar nichts den meine neuen Gastgeber wohnen im Süden der Stadt.
Diesmal stelle ich mein Zelt im Garten auf. Verbringe aber den Abend mit Jenny,  Janet und Travis in deren Salon. Jenny wohnt eigentlich in Montrose und schlägt mir vor dort bei ihr zu übernachten. Ich aber möchte morgen eher etwas weiter fahren denn bis Montrose sind es nicht mal 100 km ohne wesentliche Steigungen und am Tag darauf hat’s dann 2 Pässe um die 2600 Meter.
Die Nacht ist windig. Der lässt mich zwar nicht so gut schlafen aber die Vorfreude auf einen Wind der mich richtig Osten trägt stellt sich ein. Nun, der Westwind kommt heute von Südwesten und meine Strecke für heute führt nach Süden. Pech gehabt. Zum Glück ist der Pannenstreifen hier sehr breit, so dass ich mir eine, vom Wind beeinflusste, schwankende Fahrweise erlauben kann. Ein kurzes Stück dreht die Straße in die Windrichtung nur um mir zu zeigen wie schön es sein könnte. Gegen Abend nimmt der Wind an Heftigkeit zu und ich muss mich konzentrieren um wirklich auf dem Pannenstreifen zu bleiben. Auch die Bewölkung nimmt zu und es sieht nach Regen aus. Eine Stunde später fahre ich immer noch in der Sonne und immer noch sieht’s nach Regen in 5 Minuten aus. Als ich dann in Montrose ankomme realisiere ich dass das kein Regen  ist sondern vom Wind aufgewirbelter Staub. Ich ziemlich erschöpft und bin froh um das Angebot von Jenny bei ihr zu schlafen. Sie ist schon zuhause und zeigt mir ihren Wohnwagen hinter dem Haus der mein jetzt mein Zuhause ist.

2 Gedanken zu „Der Wind

  1. Sehr schöne Landschaften! Da kann natürlich jeder ein guter Fotograf sein…. aber du bist es natürlich echt!!!! Cornelia schätzt tatsächlich anständige AutofahrerInnen sehr, hast du sie eigentlich auch gemeint, falls ja, wird sie sich freuen…..

    1. Das war eine andere Cornelia. Sie freut sich immer wenn ich etwas positives über die amerikanischen Autofahrer schreibe.Aber natürlich ist deine Cornelia auch gemeint.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.