Mississippi

Mit Wald und Hügel gehts weiter. Eine schöne Strecke, nicht so fotogen da man nie eine Übersicht hat. Jetzt am Montag wo die Sonntagsausflügler und Motorradfahrer wegfallen hat’s wenig Verkehr. Ich hab ja immer die amerikanischen Autofahrer gelobt. Aber seid ich in Missouri bin, bin ich nicht mehr so glücklich mit ihnen. Einer hat mich sogar mit dem Rückspiegel touchiert. Und manchmal macht sich ein Truckfahrer den Spass beim überholen genau neben mir sein Horn zu betätigen. Ich hoffe es bleibt bei diesen Ausnahmen.
Obwohl, man hört da so einiges von Kentucky. Ein besonderer Spass soll es sein beim bergabfahren mit den grossvolumigen PickUps, im Leerlauf neben die Velofahrer zu fahren und dann Vollgas zu geben um den Velofahrer einzunebeln. Der Fachbegriff dazu heisst „Rolling coal“. Auch könne man nicht durch Kentucky fahren ohne Pfefferspray, wegen den Hunden, die zum Teil speziell auf die Radfahrer abgerichtet würden. Aber ich habe schon mehrmals erlebt, dass wenn man immer wieder solche Schauergeschichten hört, am Schluss nichts dran ist.
In Farmington hat’s wieder mal ein Bikers Hostel. Ein altes Gebäude, ehemaliges Gefängnis, das sehr schön zu einem Hostel ungenutzt wurde . John ist schon dort. Er macht den TransAmTrail von Colorado wo er wohnt nach Osten. Das habe ich in meiner Planung zu einem großen Teil auch vor und so beschissen wie morgen nach Myrphisbarro zu fahren und dort auf dem Campingplatz zu übernachten. Er fährt früher los als ich.
Nochmals schlägt Missouri mit seinen Hügeln zu. Zuoberst nach einem Aufstieg treffe ich auf 2 Radfahrer. Vater und Sohn aus England. Sie wollen den ganzen TransAmTrail bis nach Oregon machen. Das Velo haben sie für diese Tour gekauft und sind vorher nie Rad gefahren. Mutig! John sei nur grad 10 Minuten vor mir. Dann nach dem 1000entsten Aufstieg sehe ich die Ebene, durch die der Mississippi fließt. Runter und dann Flach. Über die Cheszerbrücke überquere ich den Fluss von dem jeder europäische Junge mal geträumt hat. Ich mache mein Picknick am Flussufer. Jetzt habe ich beide US-Flüsse überquert, die man in Europa kennt. Mit dem Überqueren des Mississippi verlasse ich auch Missouri und bin nun für ein paar Tage in Illinois. Ich hoff der TransAmTrail ist hier auch so gut gekennzeichnet. Mit der 76, die Jahreszahl der Eröffnung dieses Trails zur 200 jahr Feier der USA.
Aber es bleiben mir noch einige km zu fahren. Erst bei 135 km komme ich zu unserem Campingplatz in einem Statepark schön gelegen an einem See. John erwartet mich schon. Ich nehme noch ein kühles Bad im See. Ein Bad, ja es ist schon richtig warm geworden.

Richtung Osten

Um 5 Uhr sind die Hamburger und Würste gegrillt und die Gäste treffen ein. Nachbarn, Freunde und Familie. Ich werde vorgestellt und alle bewundern meine Leistung, den Mut und die Ausdauer. Man isst hier früh. Das ist mir, als früh aufregender Radfahrer sehr angenehm. Das ist mir auf der ganzen Reise schon aufgefallen. Mit dem was die Gäste noch mitgebracht haben, ist ein riesiges Buffet da. Salate, Sausen und Dessert. Die meisten nehmen alles auf den selben Teller. Die Chillisause zwischen Fruchtsalat und Cake. Nur die Kinder, die trennen. Ich zähle mich zu den Kindern und geniesse das Essen. Danach wird gespielt. Ich gehe zu den Hufeisenwerfern. Es geht darum ein Hufeisen möglichst genau um einen 40 feet entfernten Stab zu werfen. Ich bin nicht der Held des Abends. Die meisten Gäste gehen bevor die Sonne untergeht und ich werde auch langsam müde. Als ich dann in meinem Kellerzimmer im Bett liege, realisiere ich dass es erst kurz nach 9 ist  Egal, ich schlafe.
Nochmals auf der Route 66. Sonntag Morgen. Da ist der Verkehr bescheiden und ich geniesse es. Ich erkenne Orte wieder, an denen ich vor 3 Jahren vorbeigekommen bin. Da habe ich gemerkt das ich meine Brille vergessen habe und habe Autostopp zurück zum Hotel gemacht um sie zu holen und da war der Ort wo ich den Bulgaren nochmals getroffen habe. In Rolla treffe ich auf einen Tesla Supercharcher. Ich versuche mein Velo anzuschließen, merke aber nichts von einer Leistungssteigerung. Bei km 55 zweige ich endgültig ab von der 66, mit etwas Wehmut aber doch zufrieden mit meiner Entscheidung, und bin froh die Route 66 doch noch mal positiv erlebt zu haben. Eine schöne Landstraße durch ein Waldgebiet und entsprechend hat es viele Motorradfahrer auf ihrem Sonntagsausflug. Früh finde ich im Mark Twain National Forrest, abseits der Strasse einen Platz für mein Zelt. Ich habe richtig luxuriös eingekauft und geniesse mein Znacht mit frischen Erd-und Heidelbeeren mit Joghurt sowie den üblichen Nüssen und meinem Bier.

Route 66

Die Geburtstagsparty war ein Konzert und der Schlagzeuger hatte Geburtstag. Rock und Blues spielten sie. Hat mir sehr gefallen. Mein Gastgeber hat für die Band aus einer Axt vom Baumarkt eine Bassgitarre (siehe Bild)  gemacht. Tönte phänomenal. Sonst macht er Kunsthandwerk aus Metall. Zum Beispiel auch die Moose die im Haus und auf dem Gelände überall herumstehen. Die grosse Überraschung dann am Morgen. Rührei mit Morcheln aus dem Wald ums Haus. Mit diesem sensationellen Zmorge mache ich mich auf den Weg. Auf und Ab ohne Ende. Nach weiteren 35 km treffe ich auf die Route 66. Darauf habe ich mich schon lange gefreut. Aber welche Enttäuschung. Die Servicestrassen die parallel zur Interstate 40 verlaufen sind jetzt auch voller Verkehr. Dazu alle 5 Meter eine Querrille. So macht das fahren kein Vergnügen. Das kleine Stück das ich wegen einer defekten Brücke auf die Interstate muss ist auch sehr unangenehm. Die Autofahrer hupen nervös und dort wo der Pannenstreifen ganz schmal wird überholt mich ein Lastwagen ganz knapp, obwohl ich extra gewartet habe bis die Überholspur frei ist. Schon Tags zuvor hat mich ein Pickup Fahrer beim vorbeifahren gestreift, trotz leerer Strasse und genügend Platz. Ob er geschlafen hat oder mit dem Handy gespielt??  Aber ich muss auch sagen, nach 8500 km auf US-Strassen das erste Mal. Hoffen wir es bleibt bei der Ausnahme. Nach 129 km komme ich zu meinem Gastgeber und werde wieder überfreundlich empfangen und auch gleich für das Gartenfest von morgen eingeladen. Nach meiner Route 66 Erfahrung von heute muss ich meine Routenplanung sowieso überdenken und so nehme ich dankbar an. Kartenstudium ist angesagt. Ich entscheide mich nur noch 30 km auf der Route 66 weiterzufahren und dann Diese kurz nach Rolla zu verlassen um meinen Weg Richtung Osten einzuschlagen. Durch Kentucky, Nähe der Grenze von Tennessee nach Virginia und dort bei Lexinton die Appelachen überqueren. Bis dahin bin ich meistens auf dem TransAmetikaTrail und davon habe ich GPS Daten und alle Campingplätze und Einkaufsmöglichkeiten.Da wieder Nordöstlich und den Atlantik südlich von New York  bei Keansburg zu erreichen. Von da gibt es eine Fähre direkt nach Manhattan. So erspare ich mir 2 Tage Stadtverkehr. Jetzt noch alles ins Navigationsprogramm übertragen. Nicht ganz einfach denn den Amerikanern fallen anscheinend nicht genügend Ortsnamen ein. Selbst in denselben Staaten gibt’s Dörfer mit denselben Namen. Dann die Schlussrechnung. 2227 km und  19090 Höhenmeter gibt mein Navy an. Geteilt durch 25 Tage,damitt ich am 24.5. In NY bin, ergibt 89 km pro Tag. Da sollten noch ein paar Badetage an der Atlantikküste drinnliegen. Mit meinem Gastgeber gehe ich noch Eis kaufen und einen grossen Tisch holen für den Abend und so warte ich wieder mal gespannt auf die Party von heute Abend.

Hügelig

Was ich vergessen habe zu erwähnen, seit gestern bin ich in
Missouri. Gleich neben meinem Wohnwagen verlief die Staatsgrenze. Und was speziell ist in Missouri, ich mag mich da noch von der Route 66 vor 3 Jahren erinnern, es ist Hügelig. Und gleich richtig hügelig. Nie lange aufwärts aber so dass ich vielfach die letzten Höhenmeter absteige und schiebe. Was ich auch bemerkt habe, die Rinder waren in Kansas und vorher immer auf Erde und asen von den bevorstehenden Heuballen. Hier sind sie auf grünen Wiesen und grasen.
Ein Haus mitten im Wald. Das ist meine Behausung für heute. Sehr luxuriös eingerichtet und natürlich hört man ausser Vogelgezwitscher und dem Wind nichts. Ich bin gespannt auf die Geburtstagsparty.
Für morgen bin ich etwas im Zweifel. In der Nähe von Rolla hätte ich einen Warmshower, aber der ist 145 km entfernt. Für 2 Tage etwas wenig für einen Tag etwas weit. Das Wetter soll schön sein. Ich tendiere dazu es in einem Tag zu versuchen.

Regentag

Es tönt schön wie es auf mein Wohnwagendach tropft. Der Regen war vorausgesagt. Eine kurze Etappe hab ich mir vorgenommen. In 140 km habe ich die nächste Warmshower und so mache ich 2 Tage daraus. Dazwischen hat es ein Warmshower der mir nicht antwortet und ein Stadtpark wo man Zelten darf. Aber bei diesem Nieselregen kann man ja gut Velofahren und auch gut Zelten aber beides zusammen Vermeide ich wenn ich kann. Aber vielleicht kommt ja noch eine Antwort. Um halb 9 hörts beinahe auf mit dem Regen. Also mein Pony gesattelt und ab gen Osten zu. Der erste Ort kommt nach 50 km gerade aus. Eine gute Bibliothek mit netter Bibliothekarin hat’s für ’s WiFi und ein sympatisches Diner für’s leibliche wohl. In der Bibliothek finde ich heraus dass es in Greenfield ein Motel hat. Das ist nur 30 km weiter. Das liegt drin. Halb getrocknet schwinge ich mich auf mein Pony und radle weiter. Tatsächlich gibt’s das Motel. Das einfachste und mit 35$ auch das billigste  auf meiner Reise aber ausser dem WiFi hat’s alles was ich brauche und so Einfach es ist, so sauber ist es. Ausser beim langhaar Spannteppich, da stelle ich mir lieber nicht vor was da alles drin ist. Zum Glück habe ich meine Hausschuhe noch von der Fluggesellschaft. Diese haben bei manchen Gastgebern schon gewaltig Eindruck hinterlassen. Die Gastgeber haben sich auch sehr gewandelt. Waren es in Kalifornien meist ältere Akademikerehepaare die Wert auf Niveau und kultiviertes Essen legten sind es jetzt eher Personen aus der unteren Mittelschicht, wos eher typisch amerikanisch zu und her geht. Das heisst eine Fertigmalzeit vor dem Fernseher.

Bilder habe ich heute noch keine gemacht dumm gibt’s auch keine, ausser es ergibt sich noch was auf dem Weg zum Subway. Da gehe ich jetzt hin, denn dort soll es ein WiFi geben.

Morgen bin ich zu einer Geburtstagsparty Eingeladen. Um 6. 30 muss ich bereit sein. Geputzt und gestriegelt. Da macht sich die neue Hose bezahlt die ich in Hutchinson gekauft habe. Dort bin ich übrigens beinahe auf der Route 66 nördlich von Springfield Missouri, der ich dann ein Stück entlang fahren werde, mindestens bis St. Louis.

Halbzeit

Das war noch ein langer, anstrengender Abend. Pastor Joe heisst so weil er daran ist die Kirche die neben seinem Haus steht zu renovieren. Und das dauert lange, denn mit seinen 76 Jahren geht das nicht mehr so schnell wenn man alleine ist. Dann erzählt er mir von allen Leuten die er schon gehostet hat. Bis zu 20 gleichzeitig. Als er dann mit den Krankheiten beginnt und zu den Kriegserlebnissen kommt bekomme ich nicht mehr alles richtig mit. Aber schlafen tue ich gut und am Morgen gehe ich gestärkt mit einem Frühstück und Gottes Segen auf die Reise.
Nach 8 km zeigt mein Tacho 3000 km an. Ich weiss nicht genau wo die Hälfte meiner Reise ist. Man sagt in Newton, aber ich mache ja nicht genau den TransAmericaTrail. Ich habe mit 6000 km gerechnet, aber das ist nur eine Schätzung und dann kommen noch die Autokilometer dazu. Sagen wir es sei hier und feiern die Hälfte. Die Hälfte der Zeit ist jedenfalls auch rum und auch die Hälfte vom Geld habe ich verbraucht. Zum einen kommt es mir vor als wäre ich eben erst gestartet, wenn ich dann aber zurückdenke an alle Begegnung die ich schon hatte und all die Abenteuer dann muss ich sicher schon ein Jahr unterwegs sein. Eins trinken auf die Hälfte tue ich erst gegen Abend in einem Park mit einer Büchse PineRita versteht unter der Jacke. Die Strecke hierher ist angenehm zum fahren, hübsch aber nicht spektakulär. Mein Gastgeber für heute kommt erst um 18h nach hause und so warte ich im Park bis es Zeit ist.
Vorher war ich noch in einer Kaffeerösterei, der einzige offene Ort mit WiFi und habe meine nächsten Übernachten organisiert. In 2 Tagen werde ich voraussichtlich nördlich von Springfeld auf die Route 66 treffen und dann ein Stück dieser entlang fahren bis mindestens St. Louis. Die Stadt hat mir vor 3 Jahren besonders gut gefallen.

Benedikt

Das mag ich an Amerika, man klagt über etwas (siehe Eintrag von Gestern) und schon wird es besser. Ich sitze nämlich jetzt in Benedikt auf einer Parkbank, in kurzen Hosen an der Sonne und schreibe schwitzend an diesem Text. Aber nun doch der Rheie nach.
Um 8.30 bin ich wieder auf der Strasse. Es ist noch kühl, ich brauche noch Jacke und Handschuhe aber nicht wirklich kalt. Mein Navi hat mir ein paar kleinere Strassen gefunden, zum Teil ungeteert obwohl ich als Verkehrsmittel „Rennrad“ eingegeben habe. Das ist mir zu mühsam und ich übernehme selbst die Routenbestimmung. Sehr schnell komme ich auch nicht vorwärts. Dabei stimmt alles. Gut geschlafen, Bremsen streifen nicht, leichter Wind von Nordwest. Mein Billigtacho zeigt natürlich die Höhe nicht an und so merke ich erst als es nach 30 km wieder runter geht, dass ich vorher gestiegen bin. Die Landschaft hat sich seit Newton deutlich verändert.  Nicht mehr ganz so flach und ab und zu Bäume und Büsche.  In 2 Tagen will ich nach Pittsburg KS fahren. Das sind 245 km. Nach 120 km ist in meinem Navi, in Benedikt ein Camping eingetragen. Wörtlich heisst es da „Behind the store and church, Benedikt KS“. Da bin ich ja mal gespannt. Wenns nicht klappt kann ich ja noch weiter fahren und Wild Zelten. Die Bewölkung lösst sich langsam auf und ich beginne mich langsam ausziehen. Erst Handschuhe und Jacke, Die Sonnencreme kommt auch wieder mal zum Zuge. Als ich richtung Benedikt abbiege sind die Hosen kurz und die Ärmel zurückgekrempelt.
Über einen kleinen Weg durch den Wald gelangt man ins Dorf. 4 Strassen Waagrecht, 4 Senkrecht. Ich nehme die Mainstreet. Weder Kirche noch Laden finde ich, aber dafür eine Wiese mit Picknicktisch und Spielplatz. Ich sehe einen Mann auf einem Rasenmäher den frage ich. Er sehe keinen Grund wieso ich nicht auf dem Spielplatz zelten könne oder wenn ich wolle auch auf seinem Land. Da sei ich wohl der „early bird“. Aber ich solle doch mal zum „Our Community Store«. Der Mann dort kümmert sich meistens um die Velofahrer. Über einen Feldweg und eine Holzbrücke Holzbrücke gehts zum Laden. Ich sei der erste dieses Jahr sagt mir der Ladenbesitzer und ob ich eine Laktoseintoleranz habe oder Diabetiker sei. Als ich verneine meint er: dann gelten 2 Regeln für mich und führt mich zu den Glases. Da müsse ich mir eins aussuchen und beim Kühlschrank noch ein Getränk. Ich könne irgendwo Zelten oder aber ihm Gesellschaft leisten. Dann gibt’s auch was zu essen und ein Bett. Man nenne ihn den Pastor Joe.
Während er noch in die nächste Stadt fährt zum einkaufen mache ich es mir im Park gemütlich und schreibe meinen Bericht.

Newten

Ich lasse mir Zeit am Morgen. Die Strecke die ich mir für heute vorgenommen habe ist nur gut 50 km. Es geht nach Newton. Mein erster Warmshower, Micha, hat mir vom Veloladen in Newton erzählt. Der Flachmann, den er mir gegeben hat ist von dort. Und auch sonst habe ich von diesem Veloladen gehört. Ein Bikerhostel gehört dazu. Als ich jedoch am Samstag angerufen habe war niemand da. Auch die beiden Warmshower von Newton haben nicht reagiert. Vielleicht kommt ja noch was oder es hat ein Zeltplatz in der Nähe oder ein Motel. Ich nehms also Gemütlich und bin doch schon um Mittag in Newton. Der Veloladen ist wirklich geschlossen, die Warmshowers haben nicht reagiert jetzt schon in ein Motel ist etwas früh, in Newton ist tote Hose, sogar die Tankstellen dürfen am Sonntag nicht mal das Lightbier verkaufen und zum Zelten ist es mir zu kalt. Überhaupt macht mir die Kälte zu schaffen. Nicht dass ich frieren würde, es ist einfach nur mühsam. Immer mit Jacken und Handschuhen fahren, nie gemütlich picknicken, kein Mittagsschlaf an der Sonne und abends wegen der Kälte früh ins Zelt. Ich sehne mich nach etwas mehr Wärme.
Im Moment aber beschließe ich mich weiterzuführen. EL Dorado ist die nächste Stadt. 2 Platten habe ich auch noch zu flicken und 2 mal halten Autofahrer an um ihre Hilfe anzubieten. Mit etwas seitlichem Rückenwind erreiche ich EL Dorado. Aus den geplanten 55 km sind 130 geworden. Da nehme ich mir jetzt gerne ein Motel, flicke die gelöcherten Schläuche und gehe richtig gut essen.

Noisette, Öl, und Hutchinson

Die Idee war es schon etwas weiter zu fahren als nur die 3 km bis zum nächsten Dorf aber da war am Dorfeingang schon mal das Denkmal für den armen Astronomen Clyde Tombaugh, der 1930 als einziger Amerikaner einen Planeten entdeckt hat und jetzt wurde ihm, nach nicht mal 90 Jahren, die Planetenwürde, Also dem Pluto und nicht dem Clyde, aberkannt. So haben die Amerikaner wieder keinen eigenen Planeten. Aber sie dürfen ja auch unsere anschauen. Das wäre ja noch keine grosse Pause wert gewesen, ihr seht, nicht mal ich lasse dem Clyde mehr Anerkennung zukommen, aber ein paar Meter weiter kommt das Moosettet’s Cafe und da muss ich eine längere Pause einlegen und sogar ein richtiges Zmorge zu mir nehmen, mit Eier, Rösti und Speck. Ich glaube ich müsste sonst mit einer Scheidung rechnen.
Heute ist der Gegenwind stärker. In Lenard besuche ich ein „Santa Fee-Trail Museum“. Hinweise auf diesen Trail sind mir schon in Utha aufgefallen.

Danach fahre ich genau in den Wind und nirgends ein Hindernis, für den Wind. Ich bin am Rechnen, Ich habe noch 100 km meine Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 14 km/h und auf 17h ist Regen angesagt. Kaum gerechnet nimmt der Wind noch zu und meine Geschwindigkeit ab. Nach weiteren 2 Stunden fahren geht mein Autostoppdaumen während der Fahrt, keiner weiss wieso, automatisch hoch wenn ein Auto von hinten kommt. Das 2. Auto hält und nimmt mich etwa 30 km mit. Diesmal habe ich aber nicht wirklich eine Ausrede für mein Autostopp. Dafür lerne ich etwas über die Ölförderung in diesem Land. Überall in Kansas sieht man mitten in den Feldern kleine Pumpen, die still vor sich hinfördern. 2-3 Qubikmeter im Tag. Mein Fahrer baut und unterhält diese Pumpen schon in der 3. Generation. Ich habe mich schon immer gefragt wieso diese Pumpen genau da stehen wo sie stehen. Heutzutage gibt’s da viele Messmetoden aber diese Pumpen stammen aus den 30er und 40er jahren. Wenn man genau hinschaut sieht man, dass die immer auf kleinsten Erhebungen stehen. Nicht zu erkennen wenn man es nicht weiss. Das Öl hat da drunter eine Blase gebildet und so haben sie früher herausgefunden wo exakt sie bohren müssen. Dies und noch einiges mehr erklärt mir mein Fahrer. Ich glaube deshalb hat sich mein Daumen zum Autostopp erhoben.
Die letzten 30 km bis nach Hutchinson muss ich dann noch selber Pedalen. Und so kommen doch wieder 120 km zusammen.
Im Veloladen bekomme ich den Schlüssel zum Beikerhostel unter einer Kirche. Doch der Veloladen ist geschlossen. So rufe ich den Warmshower an, der mir den Typ gegeben hat. Er kommt mich abholen und bringt mich zu ihm nach hause. Es gibt ein richtiges amerikanisches Znacht. Jeder nimmt sich ein Stück Pizza und setzt sich damit vor den Fernseher.
Am  nächsten Morgen mache ich mich auf zum Veloladen und hole den Schlüssel für ’s Kirchenasyl. Es hat in der Nacht begonnen zu regnen und ich habe beschlossen einen Tag hier zu bleiben.
Bei einer Seitentür geht’s rein ins Untergeschoss wo lange Tische aufgestellt sind für Feiern der Kirchgemeinde und auf der Bühne sind 2 Betten für die Biker die hier nächtigen wollen. Ich hoffe morgen Sonntag wollen die Gemeindemitglieder nicht noch einen Umtrunk vor der Frühmesse nehmen.
Ich glaube ich hab schon mal geschrieben, dass mein Velotacho nicht mehr funktioniert und auch meine Naviuhr den Geist aufgegeben hat. So habe ich nur noch das Handy, was zwar sehr gut funktioniert aber etwas umständlich ist und auch viel Energie verbraucht. Das Problem muss ich heute lösen. Ich kaufe einen ganz einfachen Tacho, mit Kabel und eine Halterung. Bei meiner Einkaufstour kommt auch noch eine neue Hose dazu. Die Alte hat beim Sturz etwas gelitten und ich konnte sie auch nur selten Waschen, da ich keinen Ersatz hatte.
Dann die Stadtbesichtigung. Das Space Museum wurde mir wärmstens ans Herz gelegt. Und ja, es ist ganz hübsch. Die Altstadt hat weniger zu bieten und so habe ich genügend Zeit mein Pony wieder auf Vordermann zu bringen. Es schätzt sicher auch die paar Tröpfchen Öl, die ich liebevoll auf die Kette auftrage. Und so ist mein Freitag um und ich freue mich auf mein T-Bone Stake, den Salat und dann anschließend die Nacht auf der Bühne.

Panne

Der Morgen ist wirklich herrlich. Zwar etwas kühler und der Wind wie erwartet weniger stark. Aber das hat auch Vorteile. Weniger kalt und das fahren wird einfacher. Weiter vorne auf der linken Straßenseite bewegt sich etwas. Könnte das ein Radfahrer sein? Es ist einer. Mit einem Liegerad mit Anhänger. Sieht alles ziemlich gebastelt aus. Auch der Fahrer. Man denkt eher an einen Obdachlosen als an einen Tourenfahrer. 20 Meilen hätte er sein Rad gestern gegen den Wind geschoben und dann keinen Platz zum schlafen gefunden, so hätte er halt die ganze Nacht weitergeschoben und sei so doch auf 80 km gekommen. Da kann man nur sagen, des einen Leid des Anderen Freud.
Auf einer Strasse die genau in Windrichtung verläuft, komme ich gerade wieder auf Höchstgeschwindigkeit las mein Pony unstabiel wird. Wieder mal einen Platten. Schnell gewechselt, Rad wieder rein anziehen – klaks, der Schnellspanner ist gebrochen. Eine kleine Sache wenn man einen Ersatz hat. Ich habe keinen und es fällt mir nichts ein wie man das provisorisch reparieren könnte. Also wieder mal Autostopp. Gleichzeitig in beide Richtungen. Ein schwarzer Pickup wendet, kommt zurück und nimmt mich mit. Aber in den nächsten Dörfern hat’s keinen Velohändler. Der nächste ist 200 km weiter. Er bringt mich zu einem Freund, ein Bastler der mehrere Schuppen voll alter Metallteile hat und auch draußen sind riesige Haufen Metall. Aber eine Achse die meinen Schnellspanner ersetzen könnte finden wir nicht. Wir fahren zu den 3 Eisenwahrenhändlern im Ort. Zu kurz, zu dick, alles hat’s nur nichts passendes. Also versucht er so ein Teil auf seiner Drehbank zu machen. Die eine Seite ist schon mal gut. Das Ganze passt auch in die Nabe. Also noch ein Gewinde auf der Gegenseite einschneiden. – Nein!!!  Nicht mit der Drehbank auf höchster Geschwindigkeit. Zu spät. Anstelle des Gewindes ist die Achse dort einfach dünner. Der Bastler ist untröstlich, ich hätte das Gewinde von Hand drehen müssen. Mein Retter mit dem Pickup kommt. Wir laden das Velo wieder auf. Der Bastler meint noch, jetzt weiss ich wie ich es hätte machen sollen, ich mach mich gleich an die Arbeit. Wenn also jemand einen Schnellspanner braucht, in Holly Colorado hat’s einen Hausgemachten. Mein Pickupfahrer bringt mich 200 km weiter nach Garden City. Der Velohändler ist schon geschlossen. Öffnet morgen um 8h. Ab ins Hotel. Diesmal richtig luxuriös und nicht mal teuer.
Auf dem Weg ins Restaurant gehe ich noch ein Bier kaufen. Natürlich eingepackt in einen neutralen Papiersack. Als die Bedienung die eingepackte Brotbüchse sieht, nein das muss draussen bleiben. Mit einem braunen Papiersack neben mir will sie mich nicht bedienen und bleibt standhaft dabei. In einem kleinen Mexikanischen Fastfood bekommen ich dann, trotz Anwesenheit des Papiersackes doch etwas zu essen.

Wind 2

Das erste mal ist es angenehm Warm. Ich bin sogar früher dran als sonst und doch, keine Handschuhe, die Jacke offen. Der Wind bläst mich Richtung Osten. Meine Übersetzung arbeitet gut bis 40 km/h. Darüber muss ich zu schnell pedalen und ich komme häufig an diese Grenzen. Zwischendurch dreht sich die Strasse und ich muss mit Seitenwind fahren. Das ist anstrengend und ich muss mich voll konzentrieren um nicht auf die Autofahrban geblasen zu werden. Zum Glück ist das nur mal wieder für eine kurze Zeit, um mir zu zeigen wie anstrengend es auch sein könnte. Der Aufgewirbelte Staub macht mir aber zu schaffen. Nicht nur dass man bei schönstem Wetter manchmal kaum 50 Meter weit sieht. Auch Ohren, Nase und Mund sind voll. Aber da habe ich doch extra vorgesorgt  Nach einem kurzen Halt sehe ich doch wie der perfekte Pony-Express-Reiter aus.
Ich nehme eine Abkürzung von dem Highway 50. Eine kleine Strasse, kein Verkehr und ein perfekter Strassenbelag. Nach 25 km zeigt sich wieso niemand diesen Weg nimmt. Die Fortsetzung ist eine Naturstrasse. Die Geschwindigkeit reduziert sich auf 30 km/h. Immer noch schnell für den Strassenzustand. Wo genau ich fahre sehe ich nicht, da der aufgewirbelte Staub die Fahrbahn nicht erkennen lässt. Abgebrochene Teile von Büschen tanzen neben mir her und laufen mit mir um die Wette. Es sieht lustig aus wie sie zu hunderten auf und ab hüpfen wie keine Tiere. Plötzlich wieder wellblech Piste. Aufs geratewohl versuche ich nach links auszuweichen um einen ruhigeren Srassenteil zu finden und gerate in Sand. Ohne die geringste Chance zu reagieren liege ich auf der Straße. Tut was besonderes weh? Nein. Kontrolle von Velo und Gepäck – alles in Ordnung. Aber bis ich weiterfahren will haben sich mehrere Buschteile in Rädern, Bremsen, Schaltung und Schutzblech verfangen. Ich befreie das Vorderrad dann das Hintere aber da ist das Vordere schon wieder voll. Also beide gleichzeitig und sofort losfahren. Ganz klappts nicht, es klappert überall aber ich kann fahren. Die Naturstrasse ist nicht ganz so lange wie befürchtet und so habe ich das letzte Stück nochmals genussfahrt mit 40 km/h. Eigentlich wollte ich noch etwas weiter fahren und in einem State Park Zelten aber der Wind gibt mir zu denken. Und so nehme ich ein Motel. Um 3h nachmittags komme ich an und habe 191 km zurückgelegt mit 635 Höhenmetern und fühle mich nicht föllig erschöpft. Und ich muss auch sagen, obwohl die Stecke nicht sehr schön war, ich hab richtig Spaß gehabt an der Rekordfahrt. Was ein Rückenwind der heute mit bis zu 88 km/h geblasen hat ausmachen kann. Morgen ist auch wieder Westwind angesagt aber gemässigt, bis 30 km/h

Es geht runter

Wiedermal verbringe ich einen schönen Abend mit meiner Gastfamilie und wir plaudern über unsere Velopläne, das Leben und die Politik. Ich werde wohl keinen Trumwähler finden auf meiner Veloreisen. Wahrscheinlich sind die keine Warmshowergastgeber.
Als ich am Morgen losfahre spaziert mitten im der Stadt gemütlich ein Reh über die Straße. Meine Route führt durch eine Schlucht Richtung Osten. Ganz neu für mich ist, dass ich bergab fahren kann und dabei nicht denken muss, dass ich das wieder rauffahren muss – nein es geht nachhaltig bergab. Als ich nach 91 km in Canon City ankomme frage ich mich ob ich meinen Warmshowerplatz bleiben lassen soll und noch 60 km weiter fahre. Ich entscheide mich trotzdem nur noch 18 km zu fahren und den Luxus eines Bettes zu genießen. Dafür werde ich morgen früh losfahren und mit dem angesagten Rückenwind vielleicht sogar eine Rekordfahrt machen

Monarch-Pass

Wiedereinmal fahre ich am frühen Morgen in die Sonne. Die 53 km leichte Steigung kommt mir sehr lange vor. Aber es dauert. Doch dann steigt es richtig. 14 km ohne Gnade gehts rauf. Ich spüre die Höhe. Abwechselnd stossend und fahrend erreiche ich dann doch die 3450 Meter. Es sieht gar nicht so hoch aus. Die Bsumgrenze ist noch lange nicht erreicht und doch bin ich 1000 Meter höher als auf den hohen schweizer Alpenpässe. Es ist ein besonderer Punkt für mich. Nicht nur dass ich noch nie mit dem Velo so hoch war, es ist der höchste Punkt auf meiner Reise und vor allem ist es die Continrntal Divide. Das heißt des Wasser das auf der westlichen Seite des Passes hinfällt fliesst in den Pazifik, dasjenige auf der Ostseite in den Atlantik. Für mich bedeutet das, das es jetzt erst mal runter geht, mit einer kleinen Gegensteigung in die Ebenen von Kansas.
Aber erst mal nach Salina. Die 40 km mache ich in etwas mehr als einer Stunde. Ein attraktiver Ort. Kleine Läden, eine Microbrauerei wie in jedem Colorado-Städtchen und angenehme Bars. Meine Warmshower-Gastgeberin arbeitet in einem Biokteuterladen. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung fahren wir zu ihr nach hause wo ich mich Duschen und erholen kann. Sie geht wieder arbeiten und ich schreibe und warte aufs Essen um 19h.

Gunnison

3 Pässe sind heute auf dem Programm gestanden. Der höchste davon 2650 Meter und dazu 110 km Strecke. Es beginnt gut. Schönster Sonnenschein, nur etwas kalt. So um die -2 Grad. Das was die Sonne wärmt geht durch die steigende Höhe wieder verloren. Ein kleiner Rückenwind ist beim Fahren angenehm. Aber ich kann nicht anhalten. Kaum stehe ich wird die Kälte ungemütlich und so fahre ich die 110 km ohne richtige Pause. Der letzte Pass für heute ist der zweithöchste und auch der zweitletze der ganzen Tour. Morgen kommt noch einer. 3450 Meter und dann gehts runter und flach, bis mindestens St. Louis  Ich freue mich aufs Flache. Die Höhenmeter bis dahin habe ich etwas unterschätzt.
In Gunnison bin ich wieder bei einer Warmshower Familie. Sie reisen im Juni in die Schweiz und so kann ich ihnen mit einigen Tipps helfen.

Montrose

Ich bin also in meinem Wohnwagen es ist ein schöner aus den 50er Jahren. Vorher waren wir noch in einer Brauerei eine Pizza essen.
Ich schlafe perfekt. Als ich am Morgen zum Fenster hinausdchaue kann ich es kaum glauben. Alles ist weiss. Etwa 5 cm hat es geschneit. Da fällt mir die Entscheidung nicht schwer noch einen Tag hier zu bleiben.
Etwas Lädele in der Stadt, die nicht so klein ist wie erwartet. Ich besuche einen Outdoorladen, einen Bikeshop und esse mein Frühstück in einer Bäckerei. Zurück bei meinem Camper repariere ich die gelöcherten Schläuche, gesten musste ich auch noch einen wechseln und mache mich dann an die weitere Tourenplanung. Ich bin weit hinter meinen 80 km pro Tag hintendrein und der Ruhetag bringt mich auch nicht weiter. Aber ich habe fast alle Berge hinter mir. Morgen noch 2 2600er Pässe und übermorgen ein Aufstieg auf 3450 Meter, der Monarch-Pass und dann geht’s nur noch runter in die Ebene nach Kansas. Da gibt es dann mehr km pro Tag. Wenn ich da nich mit langen Regenzeiten rechnen muss und die Langzeitprognosen für’s Wetter sind gut, sollte es schon noch bei ß New York reichen. Und wenn nicht – gibt’s auch noch andere Verkehrsmittel wie ich ja schon erfahren habe. Aber erst mal schauen was die nächsten Tage bringen. Die schöne Abendstimmung lässt hoffen.

Der Wind

Ich befinde mich wieder mal auf der Autobahn. Irgendwo habe ich eine kleine Abzweigung verpasst und das Pipsen dee Naviuhr nicht bemerkt und schon ist es die Interstate 70. Aber die ist sehr angenehm zum fahren. Wenig Verkehr, einen breiten und sauberen Pannenstreifen und ein Strassenbelag fein wie Seide. Nach 25 km komme ich wieder auf eine Nebenstrasse. Zwischendurch fehlt der Teerbelag und es ist eine staubige Piste. Ich sehe einen Lastwagen der eine riesige Staubwolke hinter sich her zieht auf mich zukommen. Ich bereite mich vor und verstecke die Nase im Ellbogen. Doch der Lastwagen bremst weit vor mir ab und fährt im Schritttempo an mir vorbei und noch ein gutes Stück weiter bis er wieder beschleunigt. Und da muss ich wieder mal, zur speziellen Freude von Cornelia, den amerikanischen Autofahrern ein Kränzchen winden. Ich hab das ja schon auf der Route 66 bemerkt wie rücksichtsvoll die Autos gegenüber den Radfahrern sind. Und es fällt mir wieder auf. Auch diesmal, in Kalifornien sind die Autofahrer fast so schlecht wie in Europa aber je mehr ich mich der Westküste entferne desto angenehmer sind sie.
Irgendwo verlasse ich Utha und bin nun in Colorado. Beschriftet ist nichts aber hier darf ich wieder einen Joint rauchen. Dürfen, zum Glück nicht müssen.
Grand Junction ist die erste grössere Stadt seit Sacramento, aber ich verpasse sie. Der Veloweg ist so schön und der Rückenwind treibt mich so rassig voran, dass ich es erst realisiere als ich schon am Zentrum vorbei bin. Aber das macht gar nichts den meine neuen Gastgeber wohnen im Süden der Stadt.
Diesmal stelle ich mein Zelt im Garten auf. Verbringe aber den Abend mit Jenny,  Janet und Travis in deren Salon. Jenny wohnt eigentlich in Montrose und schlägt mir vor dort bei ihr zu übernachten. Ich aber möchte morgen eher etwas weiter fahren denn bis Montrose sind es nicht mal 100 km ohne wesentliche Steigungen und am Tag darauf hat’s dann 2 Pässe um die 2600 Meter.
Die Nacht ist windig. Der lässt mich zwar nicht so gut schlafen aber die Vorfreude auf einen Wind der mich richtig Osten trägt stellt sich ein. Nun, der Westwind kommt heute von Südwesten und meine Strecke für heute führt nach Süden. Pech gehabt. Zum Glück ist der Pannenstreifen hier sehr breit, so dass ich mir eine, vom Wind beeinflusste, schwankende Fahrweise erlauben kann. Ein kurzes Stück dreht die Straße in die Windrichtung nur um mir zu zeigen wie schön es sein könnte. Gegen Abend nimmt der Wind an Heftigkeit zu und ich muss mich konzentrieren um wirklich auf dem Pannenstreifen zu bleiben. Auch die Bewölkung nimmt zu und es sieht nach Regen aus. Eine Stunde später fahre ich immer noch in der Sonne und immer noch sieht’s nach Regen in 5 Minuten aus. Als ich dann in Montrose ankomme realisiere ich dass das kein Regen  ist sondern vom Wind aufgewirbelter Staub. Ich ziemlich erschöpft und bin froh um das Angebot von Jenny bei ihr zu schlafen. Sie ist schon zuhause und zeigt mir ihren Wohnwagen hinter dem Haus der mein jetzt mein Zuhause ist.

Singeltrail

Die ältere Dame aus Frankreich mit dem Trike ist gleichzeitig mit mir zur Abfahrt bereit und wir haben die ersten 8 km gemeinsam . Dann fährt sie nach Norden und ich dem Colorado entlang. Wunderbar wie sich der Fluss durch die Schlucht Richtung Osten schlängelt. Nach 60 km kommt die Entscheidung. Bleibe ich auf der getreten Straße und gehe das Risiko ein auf die Interstate (Autobahn)  zu müssen oder nehme ich die Abzweigung, wo ich, gemäss GPS 15 km Singeltrail und 24  km Naturstrasse vor mir habe. Es ist noch nicht mal 11h also entscheide ich mich für den kleinen Weg. Es beginnt ganz einfach. Die Straße zwar unbefestigt aber in gutem Zustand und ich komme gut voran. Die kurzen heftigen Anstiege stosse ich. Doch die Anstiege häufen sich und werden länger und auch der Weg wird immer schmaler und steiniger. Bald bin ich mehr am tragen wie am Schieben. Die kurzen Abfahren gehen rassig und meist kann ich auch gut den grösseren Steinen ausweichen. – Meist.  Einen hab ich erwischt und das genügt bei meinen schmalen Reifen für einen Plattfuß. Wechseln und weiter. Sieben, tragen, fahren. 2 Pässe sind zu überwinden. Der einzige Mensch der mir begegnet ist ein Mountainbiker der ganz erstaunt ist jemanden zu treffen, aber ja, das ist der richtige Weg nach New York. Er erzählt mir noch von einem Campingplatz sobald ich die geteerte Straße erreicht habe nach rechts. Trotz aller Voraussicht bei den Abfahrten muss ich nochmals einen Schlauch wechseln. Eigentlich wollte ich heute noch weiter fahren, aber als ich zur getreten Straße komme ist es schon halb fünf und ich gehe auf den Campingplatz. Ist etwas übertrieben, eine Tafel, die sagt, dass man da Übernachten kann und ein kleines Häuschen mit einer Toilette. Auch kein Wasser. Aber ein schöner Platz für ’s Zelt und mehr brauche ich nicht.

Moab

Mein Hostel das „Lazy Lizerd“ ist etwas außerhalb von Moab. Mit Bäumen rundherum und einem Picknickplaz. Drinnen hat es eine Gemeinschaftsküche, Esstische und eine gemütliche Ecke.  Es ist viel los. Es wird erzählt von den gemachten und geplanten Wander und Bike – Touren. Moab ist das Bikerparadies. Als Tourenfahrer bin ich da schon fast ein Exot. Für die Weiterfahrt bekomme ich noch einige Tipps, die ich aber allesamt nicht befolgen werde.  Ich hoffe ich werde das nicht bereuen, denn schon am ersten Tag meiner Weiterreise sind 24 km Singeltrail auf dem Programm. Das können perfekte Natursträschen sein aber auch Sand oder Schotterpisten wo es für mich nichts anderes als stossen gibt.
Aber so weit ist noch nicht, ich bleibe noch einen Tag hier.
Eine kleine Runde den Colorado-River entlang Richtung Westen habe ich mir für heute ausgesucht. Erstaunlich das dieser ruhige Fluss später mal durch den Grand Canyon fliegst und diesen sogar erschaffen hat.
Zurück im Hostel kommt gleichzeitig eine über 70 jährige Frau mit einem Trike an. Von denselben wie wir auch 2 Stück zuhause haben. Sie ist für 4 Monate unterwegs aber welche Strecke sie fährt hab ich noch nicht rausgefunden. Ich für meinen Teil muss mich für meine Weiterfahrt Morgen vorbereiten. Dann gehts wieder richtig los. Ich freue mich darauf.

Der Arztbesuch

Beim Einchecken höre ich eine Stimme auf Französisch hinter mir; aus La Chaux-de-Fonds , es ist ein Paar aus Genf. Kurzerhand machen wir ab zusammen Essen zu gehen. Icherkundige mich noch wegen eines Arztbesuches. Die Notfallstation ist jederzeit offen. Da müsse ich aber mindestens mit Kosten von 1500$ rechnen. Vorher machen die gar nichts. Die nicht Notfalkstation ist auch am Sonntag offen von 11-17h. Nicht gerade Ideal, aber kein Problem.
Als wir dann Essen gehen wollen verzögert sich alles etwas und dann kommt Alexis alleine. Florence seine Frau hat plötzlich eine Magenverstimmung und sie will schlafen. Aber das sei kein Problem, sie ist Ärztin und wisse sich zu behandeln. Hab ich da Ärztin gehört? Wir lassen sie natürlich schlafen. In der Brauerei wo wir Essen wollen wird Alexis nach dem Pass gefragt. Er zeigt die ID. Nein es müsse der Pass sein. Und wenn er keinen Alkohol trinke?Nein, schon der Aufenthalt im Lokal sei illegal.  Für mich ist alles kein Problem. Sehe auch schon etwas älter aus. Aber auch bei Alexis  hat man nicht den Eindruck er sei noch ein Teenager. Er fährt zurück zum Hostel und kommt mit dem Pass. Dieser wird gleich noch gescannt. Er sei jetzt registriert, das nächste mal würde es dann ohne Pass gehen.
Am Morgen geht es meiner Ärztin wieder besser und wir setzen uns zusammen. Ich erzähle ihr die ganze Geschichte, es ist mir wider etwas schwindelig, aber nichts tragisches. Für sie ist der Fall klar. Irgendwelche Steinchen, die sich im Innenohr verschoben haben. Etwas unangenehmes zwar aber nicht gefährliches. Die Symptome stimmen exakt mit ihren Erfahrungen und dem Lehrbuch überein. Sicher kein schwehrwiegendes Problem sonst hätte ich noch andere Erscheinungen wie Taubheit, Lähmungen oder schmerzen in der Herzgegend. Übrigens, in einem Blogkommentar wurde mir dieselbe Diagnose auch schon gestellt.
Übrigens ich stelle das ganze Gespräch mit Forance und ihre Einschätzung natürlich vereinfacht dar. Als Profi muss sie sich etwas differenzierter ausdrücken.
Zur Sicherheit nehme ich „meine Ärztin“ gleich auf die heutige Wanderung mit – oder genauer gesagt  sie nehmen mich mit. Route und Auto sind von ihnen. Wir verbringen einen herrlichen Tag im Arches Nationalpark. Davon zu erzählen macht keinen Sinn. Dafür sind die Bilder da. Am Abend fahren die beiden auf einen Campingplatz im Canionlands Nationalpark und ich zurück in mein Hostel.

Die Zweifel

Am Morgen ist mir wieder etwas schwindlig. Nur ganz wenig. Ich packe zusammen und fahre los. Eigentlich geht’s wieder ganz gut. Es ist halb bewölkt, nicht zu kalt und eine superschöne Strecke. Aber die Zweifel beginnen zu nagen. Ich male mir wieder alle möglichen schreckenszenarien aus. Es fällt mir schwer die schöne Fahrt zu geniessen. War da nicht ein Stechen? Könnte da nicht doch etwas Kopfweh sein? Werde ich zum Hypochonder? Bis nach Moab sinds 2 Tagesreisen. Mit meinen Zweifeln eindeutig zu viel.
Ich erreiche den Interstate 70, das Ende der 24 gegen 14h und beschliese es wieder mal mit Autostopp zu versuchen. Zuerst hält ein skandinavischer Tourist mit dem kleinsten Wagen den man sich vorstellen kann. Er entschuldigt sich für den kleinen Wagen und ich muss ihn ohne mich weiterziehen lassen. Dafür halten nachher gleich 2 PickUps. Der eine sogar mit einem riesigen Anhänger. Und da schieben wir mein Velo rein. Sie bringen mich zu einer Tankstelle wo alle, die nach Moab fahren nochmal auftanken. Der Eine versucht dann noch erfolglos alle tankender PickUps zu fragen, besorgt mir noch ein Papier mit der Aufschrift Moab und bringt mich zur richtigen Autobahnauffahrt. Für mich sieht das nicht gerade erfolgversprechend aus, und es beginnt auch schon zu regnen aber tatsächlich nach kurzer Zeit werde ich mitgenommenen.
Schon auf der Fahrt nach Moab findet mir dieses Paar eine günstige Unterkunft.